Rory McIlroy ruft nicht mehr FORE! (Photo by Richard Heathcote/Getty Images)

FORE, kleines Wort mit großer Wirkung


Es ist in den letzten Jahren zu einer Unart einiger Spitzenspieler geworden, verzogene Drives nur noch anzuzeigen anstatt die geläufige Warnung „FORE!“ zu benutzen. Welche Auswirkungen diese Unart hat, zeigt sich erneut bei der BMW PGA Championship.

Es ist eine der ersten Lektionen in der Etikettestunde vom Platzreifekurs. „Wenn Sie einen Ball in Richtung anderer Spieler schlagen, rufen Sie ganz Laut das Wort ‚FORE‘.“ Der international anerkannte Warnruf löst bei den meisten Golfbegeisterten eine intuitive Schutzhaltung aus.

Doch anstelle des üblichen „FORE!“ hat sich in der Vergangenheit unter einer Vielzahl der Profis eine gewisse akustische Faulheit eingestellt. Anstelle der Stimmbänder wird die Schultermuskulatur beansprucht. Ein ausgestreckter Arm, meist verlängert durch den Schläger, in Richtung der gefährdeten Zone genüge ihrer Meinung nach, um die Zuschauer und Helfer zu warnen. Doch im jüngsten Fall war dem Verantwortlichen selbst das zu viel.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Ein ausgestreckter Arm von durchschnittlich 70 Zentimetern Länge ist auf Entfernungen von 250 Metern und mehr kaum zu erkennen. Zumal ungünstige Lichtverhältnisse sowie ein anderer Zuschauer oder Baum das Sichtfeld beeinträchtigen können. Ein lauter Warnruf ist dagegen über weite Entfernungen gut zu hören und könnte so einfach vor Verletzungen schützen. Natürlich gilt dies nicht im Allgemeinen und für alle Spieler. Es gibt sie noch, die klassisch erzogenen und achtsamen Profis, die sogar zur doppelten Packung greifen und neben dem ausgestreckten Arm auch das laute „FORE!“ hinterherbrüllen.

Von einem Golfball getroffen zu werden ist keine Kleinigkeit. Gerade wenn dieser von einem Athleten mit 160 km/h und mehr auf die Reise geschickt wurde. Und meist sind es gerade die Longhitter, die zu gestreuten Schlägen neigen. Auch deshalb sollte bei professionellen Turnieren die akustische Vorwarnung eines verirrten Balls zum guten Ton gehören, scheitert aber immer wieder an der Spontanamnesie einiger Spieler.

Wo ist die Verantwortung?

Rory McIlroy hatte an Tag drei der BMW PGA Championship jede Menge Glück. Neben zwei Fans traf er zudem noch einen Marshal. Und was für die Betroffenen schmerzhaft endete, war für McIlroy teilweise von großem Vorteil. Denn sein Abschlag an der 18 beispielsweise traf den Kopf einer Zuschauerin und wurde so zurück Richtung Fairway abgelenkt. Von einem Fore-Ruf war nichts zu hören. „Ich dachte nicht, dass der Ball so weit fliegt“, sagte McIlroy zu seiner Verteidigung. Bereits an der sechsten Bahn traf der Nordire die rechte Hand einer Zuschauerin, woraufhin diese medizinische Versorgung benötigte.

Quelle: golf.de